Reizthema
Kortison
Für
Mediziner ist es ein Multitalent, für Patienten indes pures Gift.
Die
sieben häufigsten Vorurteile über Kortison und was wirklich dran
ist
1. Kortison ist pure Chemie
Es stimmt: Das Medikament Kortison wird künstlich hergestellt.
Pures Gift, wie manche sagen, ist es deshalb noch lange nicht.
Das Hormon Cortisol wird in der Nebennierenrinde produziert und
ist für den Menschen lebenswichtig. Es beeinflusst den Stoffwechsel,
die körpereigene Abwehr, den Kreislauf und das zentrale Nervensystem.
Bei Schmerz, Entzündungen oder Fieber produziert der Körper vermehrt
davon, um mit den Anforderungen an den Körper besser fertig zu
werden. Diese positiven Eigenschaften als Entzündungshemmer machten
sich Wissenschaftler zu Eigen. Getreu der natürlichen "Bauanleitung"
bauen sie den Wirkstoff im Labor nach.
Moderne Präparate sind so konstruiert, dass sie trotz niedriger
Dosierung optimal helfen und möglichst wenig Nebenwirkungen haben.
Präparate für die äußerliche Anwendung wirken bevorzugt am Krankheitsherd,
zum Beispiel an einer entzündeten Hautstelle.
Das
Wirkspektrum von Kortisonpräparaten ist groß:
Die Ärzte verschreiben sie bei Hautkrankheiten, zum Beispiel bei
Schuppenflechte oder Neurodermitis. Kortison kommt außerdem bei
Rheuma, Asthma oder Allergien zum Einsatz.
2.
Kortison schwemmt auf
Macht Kortison wirklich dick? "Nein", sagen Experten. Kortisonhaltige
Salben und Cremes gegen Hautkrankheiten haben bei richtiger und
bestimmungsgemäßer Anwendung keinen Einfluss auf Gewicht und Aussehen.
Sie wirken in erster Linie nur äußerlich auf der Haut. Erst bei
langfristiger und innerlicher Anwendung (zum Beispiel als Infusion,
Spritze oder Tablette) kann sich Wasser im Gewebe einlagern und
das Körpergewicht steigen.
3.
Kortison schädigt Organe
Viele Patienten glauben: Kortison ist ein Teufelszeug, es greift
sogar Organe an. Das ist falsch. Wer Kortison äußerlich als Creme,
Salbe oder Spray benutzt und sich an die vorgeschriebene Dosierung
hält, braucht nichts zu befürchten. Mögliche Nebenwirkungen wie
etwa der Abbau von Muskelsubstanz drohen erst bei innerlicher
Daueranwendung. Als Infusion, Spritze oder Tablette verabreicht,
gelangen die Wirkstoffe über die Blutbahn an den Krankheitsherd,
so zum Beispiel zu einem entzündeten Gelenk. Auf Dauer kann das
den Organismus belasten.
4. Salben oder Tabletten – das ist doch dasselbe
Ob Pille oder Creme – in beiden kann Kortison enthalten sein.Was
die Nebenwirkungen angeht, ist es aber ein Unterschied, ob Sie
eine Pille schlucken oder Creme auftragen. Tabletten gelangen
über den Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn. Das Blut verteilt den
Wirkstoff im ganzen Körper. Er ist nicht auf den eigentlichen
Krankheitsherd beschränkt. Diese sys-temische Wirkung kann verstärkt
Nebenwirkungen auslösen. Das ist der Unterschied zur Creme und
Salbe: Sie wirken hauptsächlich an der Stelle, wo sie aufgetragen
wurden.
5.
Von Kortison wird die Haut dünner
Wer
kurzfristig einen Insektenstich oder Sonnenbrand mit kortisonhaltiger
Salbe behandelt, braucht keine Angst zu haben. Die Haut wird dadurch
nicht geschädigt.
Bei
einer langfristigen Behandlung gilt:
Wer
kortisonhaltige Präparate über einen längeren Zeitraum und in
hoher Dosierung aufträgt, muss damit rechnen, dass sich die Hautbeschaffenheit
verändert.
Doch der Hautarzt achtet darauf, die Nebenwirkungen für den Patienten
möglichst gering zu halten:
Er stimmt die Kortisontherapie individuell auf den Hauttyp, Ort
und den Zustand der Hauterkrankung ab.
Es ist ein Unterschied, ob eine Hautstelle im Gesicht oder an
behaarten Körperteilen betroffen ist.
So wählt der Hautarzt etwa zwischen fetthaltigen Grundlagen und
Emulsionen aus. Um die Haut zusätzlich zu schützen, sollen Patienten
die entzündete und gereizte Haut in weniger akuten Stadien mit
einem kortisonfreien Präparat, einer Basiscreme, pflegen. Den
Zeitpunkt, ob und wann Sie auf
Kortisonpräparate ganz verzichten können, bestimmt ebenfalls der
Arzt.
6.
Kortison hilft nur kurzfristig
Kortison: Eine große Hilfe, aber nur für kurze Dauer.
Viele
Patienten glauben das. Sie lehnen das Medikament ab. Zu Unrecht:
Das viel diskutierte Präparat heilt nicht nur akute Hautprobleme
wie einen Sonnenbrand. Bei chronischen Hautleiden wie Schuppenflechte
oder Neurodermitis ist Kortison das wichtigste Standbein der Therapie.
Auch hier gilt: Neben regelmäßiger Anwendung ist die individuell
abgestimmte Dosis wichtig, um die Hautkrankheit langfristig und
erfolgreich behandeln zu können.
7. Kortison zerstört Knochen
Geht
Kortison auf die Knochen?
Bei
längerer und innerlicher Einnahme kann diese Nebenwirkung leider
auftreten, sagen Experten. Deshalb wägt der behandelnde Arzt Nutzen
und Risiken sorgfältig ab. Er wählt eine Dosis, die dem Patienten
einerseits optimalen Nutzen, aber möglichst wenig Nebenwirkungen
bringt. Um einem Knochenschwund bei einer Kortisontherapie vorzubeugen,
geben Ärzte zusätzlich Vitamin-D- und Kalzium-Präparate.
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